31.07.2022 Weimarer Republik Direkte Demokratie Zivilgesellschaft

Robert René Kuczynski (1876–1947) – biografische Skizze eines politischen Intellektuellen in der Weimarer Republik

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Robert René Kuczynski steht exemplarisch für viele politische Intellektuelle der Weimarer Republik – über seine politische Wirkung und sein Engagement in der Frage der Fürstenenteignung 1926.

Sein Sohn war der Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski (1904–1997), der zu den prominentesten Intellektuellen der DDR zählt, seine Tochter Ursula (1907–2000) die Sowjet-Agentin „Sonja“, die während des Zweiten Weltkrieges geheime Unterlagen aus dem angloamerikanischen Atomwaffenprojekt nach Moskau übermittelte. Aber der Familienvater selbst ist weithin unbekannt. Dabei war Robert René Kuczynski, dessen Todestag sich am 25. November 2012 zum 65. Male jährt, eine zentrale Figur im Berliner Intellektuellenmilieu der 1920er Jahre. Er repräsentiert den Typus des politischen Intellektuellen linker Provenienz, steht exemplarisch für eine ganze Reihe von Persönlichkeiten jener Zeit aus Theater, Literatur und Wissenschaft, die sich nebenberuflich in der Politik engagierten. Diese Ähnlichkeit in politischen Einstellungen, in der Kombination aus hauptberuflicher Tätigkeit in Kunst wie Wissenschaft und nebenberuflicher Politaktivität sowie in der Biografie sollen im Folgenden geschildert werden; es soll aber auch an den inzwischen weitgehend in Vergessenheit geratenen politischen Intellektuellen Kuczynski in einer biografischen Skizze erinnert werden.

Robert René Kuczynski: Herkunft

Kuczynski erblickte am 12. August 1876 in Berlin das Licht der Welt.[1] Er wurde in eine wohlhabende, großbürgerliche Familie mit jüdischem Hintergrund hineingeboren. Sein Vater Wilhelm Kuczynski war Bankier und hatte es als solcher zu millionenschwerem Reichtum gebracht.[2] Dem Sohn war diese Welt der Bleichröders und Rothschilds offenbar jedoch fremd. Robert René Kuczynski trat nicht das Erbe im väterlichen Bankhaus am Berliner Finanzplatz an, sondern überließ dies seinem Schwager, schlug stattdessen einen akademischen Bildungsweg ein. Damit stellte er sich in die bildungsbürgerliche Tradition der mütterlichen Brandeis-Linie, einer Familie jüdischer Intellektueller. Von 1894 bis 1897 studierte Kuczynski in Freiburg, Straßburg und München Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Anschließend promovierte er bei Lujo Brentano über die „Frage zur Bevölkerungsbewegung in der Stadt“. Nach dem Wehrdienst folgten Volontariate, zunächst im Statistischen Amt der Stadt Berlin, dann auf der anderen Seite des Atlantiks im Zensusamt in Washington D. C. sowie im Bureau of Labor Statistics. 1902 kehrte er nach Deutschland zurück. Inzwischen hatte er starkes Interesse an den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitern gewonnen, denen der Großteil seiner zukünftigen Forschungsarbeiten galt. Damit beschäftigte er sich mit einem bedeutsamen Thema seiner Zeit – bestanden im Wohnungselend und der Härte des industriellen Arbeitstags doch akute sozialpolitische Probleme des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Bertha Gradenwitz im Dezember 1903 trat Kuczynski im rheinländischen Elberfeld als Direktor die Leitung des dortigen Statistischen Amtes an. 1906 wechselte er als Direktor zum Statistischen Amt Berlin-Schöneberg zurück in die Reichshauptstadt – dem späteren politischen und kulturellen Zentrum der Weimarer Republik, in welchem die Reichs- und preußische Regierung, Parteizentralen und das Armeeoberkommando saßen, die führenden Schauspieler, Literaten und Komponisten ein kreatives Milieu bildeten und die politische Presse mit über hundert Zeitungen ihren Mittelpunkt hatte.[3] In dieser Umgebung arbeitete Kuczynski bis 1921 als hauptberuflicher Demograf urbaner Räume, avancierte mit zahlreichen Schriften währenddessen zum Spezialisten für das Wohnungswesen und Erwerbslöhne, zu einem der Begründer der universitären Bevölkerungswissenschaft, die sich damals – ohne eigene Lehrstühle – noch in ihrer Anfangszeit befand.[4]

Robert René Kuczynski in der politischen Intellektuellenszene von Berlin

Doch Kuczynski war nicht allein ein fleißiger Wissenschaftler. Mindestens ebenso stark kennzeichneten ihn politisches Interesse und Engagement. Privat verkehrte er in Kreisen aus prominenten und bedeutenden Malern, Schriftstellern und Dramaturgen, darunter: Kurt Tucholsky, Siegfried Jacobsohn, Kurt Hiller, Helene Stöcker, Käthe Kollwitz, Albert Einstein, Erwin Piscator, George Grosz. Damit bewegte er sich im politischen Milieu linker Intellektueller der Weimarer Republik, dessen Mittelpunkt die Reichshauptstadt Berlin bildete und dessen Angehörige über ähnliche Biografien, Prägungen und Auffassungen verfügten. So wurden sie geboren und wuchsen auf im wilhelminischen Kaiserreich, erfuhren unter dessen Machteliten ihre politische Prägung, erlebten den Ersten Weltkrieg und den politischen Umbruch 1918/19, engagierten sich für Frieden und Gerechtigkeit in den 1920er Jahren, litten unter der Repression und Diffamierung des nationalsozialistischen Regimes in den 1930er Jahren, befanden sich in den 1940er Jahren in der britischen, schweizerischen oder amerikanischen Emigration und konnten vielfach in der Zeit danach nicht mehr an ihre frühere Rolle anschließen.[5] Vielfach gehörten sie denselben Organisationen an, die Adressen für ihre politische Arbeit waren, z. B. der Liga für Menschenrechte, dem Friedensbund der Kriegsteilnehmer oder der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußland. Viele von ihnen schrieben für die Weltbühne oder Das neue Rußland, kannten sich aus den Tagen der Novemberrevolution und standen unter dem Eindruck der brutalen Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts sowie dem heimtückischen Treiben der rechtsextremistischen Organisation Consul.[6] Die meisten von ihnen korrespondierten rege untereinander, aßen gemeinsam zu Mittag und besuchten zusammen Abendveranstaltungen. Sie verabscheuten dieselben Persönlichkeiten, beanstandeten die gleichen Zustände und Entwicklungen, ließen sich von denselben Idealen faszinieren und begegneten der Republik mit ähnlichen Einstellungen. Der rege Kontakt im privaten Rahmen oder innerhalb der Organisationen sowie die hohe Dichte der deutschen Kultur- und Wissenschaftselite in Berlin förderten diese Identität. In den Weimarer Jahren fanden sich zudem viele Stereotype und Etiketten, mit denen sich komplexe Verhältnisse vereinfachen und zu kollektiven Feindbildern verdichten ließen. So mochten die Angehörigen dieses politisch pulsierenden Kulturmilieus doch mancher Habitus und Gedankengang trennen, doch einte sie letztlich der gemeinsame Kampf gegen alles Reaktionäre, Revanchistische, Aristokratische, Nationalistische, Militaristische, Kapitalistische.

Militärausgaben waren für sie „verbrecherischer Wahnsinn“[7], die Gerichtspraxis betrachteten sie als „Klassenjustiz“ und „Rache an der neuen Zeit“,[8] die Sowjetunion bewunderten viele von ihnen als Versuch, „etwas von der Sehnsucht und den Träumen der Menschen in die Wirklichkeit zu übersetzen“[9], und ihr Dasein empfanden sie als Leben „in einer Raffke-Republik, oben Öl, unten Wasser“, in der der Reichtum nur einem kleinen, oberen Teil der Gesellschaft gehöre, während der untere Teil „physisch und psychisch unterernährt“ dahinvegetiere – dafür hätten sich „Liebknecht und Rosa Luxemburg nicht totschlagen lassen, dafür hat auch der alte Bebel nicht gekämpft“.[10] General Hans v. Seeckt gehörte als Repräsentant des Offizierskorps ebenso zu den Feindfiguren dieser Gruppe wie der Reichspräsident Paul v. Hindenburg als Kandidat des rechten und konservativen Lagers sowie Symbol einer mit der Republik vermeintlich überwundenen Ordnung. Viele von diesen politischen Intellektuellen und Künstlern waren liberal und fortschrittlich, standen ein für Rechte auf Wahlbeteiligung, Bildung und Berufstätigkeit, waren Vorkämpfer sexueller Befreiung. Die Fürsorge für Schwächere, der Kampf gegen Machtmissbrauch von Amts- und Würdenträgern, die Eindämmung kriegerischer Ansinnen und das Streben nach einer insgesamt besseren Gesellschaftsordnung waren ihnen ernste Anliegen und leidenschaftliche Objekte ihres politischen Kampfes. Sofern sie Parteien gedanklich nahestanden, waren dies überwiegend die USPD und KPD.

Insgesamt verstanden sie sich als demokratisch gesinntes Korrektiv zu einem parteiischen Gerichtswesen und dem undurchsichtigen Einfluss der Reichswehr, wollten mit ihren unablässigen Eingaben in Form von Reden und Schriften eine kritische Öffentlichkeit schaffen, eine mündige Bürgerschaft hervorbringen.[11] Ihrem Selbstverständnis nach stellten sie ihre künstlerische und wissenschaftliche Begabung, Prominenz und Schaffenskraft in den Dienst von Frieden und Gerechtigkeit, gegen revanchistische Politik, preußischen Militarismus und kapitalistische Wirtschaft.[12] Manche von ihnen unterschieden sich in ihrer Radikalität, indem sie der KPD beitraten und ihre Aufgabe darin sahen, mit „allen Mitteln, mit aller Intelligenz und Konsequenz den Zerfall dieser Ausbeuterkultur zu beschleunigen“[13]. Kurzum: Obwohl keiner von ihnen Berufspolitiker war und nur wenige einer Partei angehörten, waren sie hochgradig politisiert, waren an der Tagespolitik ebenso interessiert wie an großen politischen Zusammenhängen. Ihre hauptberuflichen Qualifikationen nutzten sie zur politischen Stellungnahme in Zeitungsartikeln, Theaterstücken oder Kunstwerken. Über außerparlamentarische Organisationen versuchten sie, Einfluss auf das Parlamentsgeschehen zu gewinnen.

Auch Kuczynski war nebenberuflicher Funktionär zivilgesellschaftlicher Organisationen, gehörte z. B. dem Vorstand der Liga für Menschrechte an. Er versuchte, mit den Ergebnissen seiner Forschungsarbeit politische Entscheidungen herbeizuführen. Er machte „Politik mit den Mitteln der Sozialstatistik“[14], indem er ein Existenzminimum des deutschen Bürgers errechnete, mit dem er die zuständigen Behörden unter Druck setzte, da das Einkommen vieler Reichsbewohner diese Grenze unterschritt. Wenn er damit auch keinen weitreichenden Einfluss auf die Politik ausübte, so blieb sein Ansatz doch nicht ohne Wirkung. Die Parteipresse des linken Lagers griff häufig auf diese Studien zurück und druckte sie in Zeitungen ab.[15] Und die Reichsregierung verwendete das von Kuczynski errechnete Existenzminimum, um die materielle Lage der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Ausland als möglichst schlecht darzustellen.[16]

Robert René Kuczynski und die Frage zur Entschädigung der ehemaligen Fürsten

Vor allem aber einte die linke Intellektuellenszene Berlins – trotz allen politischen Interesses – eine ausgeprägte Parteienskepsis, ein starkes Misstrauen gegenüber den Mechanismen und Akteuren des politischen Systems. Die SPD z. B. mochte zwar ein republikanisches Bekenntnis zur Weimarer Reichsverfassung abgelegt haben. Doch war sie den größtenteils pazifistisch und sozial-revolutionär gesinnten Intellektuellen in vielen politischen Fragen unzuverlässig, schien sie doch häufig ihre Ideale zugunsten von Kompromissen und Wählerstimmen preiszugeben, ja geradezu Verrat an ihrer Klientel zu begehen – sie galt als bigotte Partei der „Ebertiner“, „kleinbürgerlich bescheuklappte Halbkonservative, verklemmt-nationalistisch, allen geistigen Regungen und Strömungen fern, gemäßigt-arbeiterfreundlich und (ohne Offenheit) machtlüstern“[17]. Die meisten der Weimarer Linksintellektuellen wollten eine „politische und gesellschaftliche Ordnung frei von Kompromissen und den von Tucholsky verspotteten ‚Ri-Ra-Rücksichten‘“[18]. Ihre Kompromissbereitschaft und Kooperationsfähigkeit war daher ebenso gering wie ihre politische Durchsetzungskraft im Weimarer Parteiensystem.[19] Sie verstärkten damit ein generelles Problem der Weimarer Republik und deren Parteiensystems: Zwischen 1919 und 1933 galten „Konsequenz, Programmtreue und Gesinnungsfestigkeit“ als „hochgelobte Tugenden“, wohingegen „der Ausgleich zwischen den Interessen, der notwendigerweise mit Abstrichen von der reinen Lehre bezahlt werden musste, ohne weiteres als Verrat denunzierbar war“.[20] Dennoch verstanden sich die linken Wissenschaftler, Journalisten und Künstler als republikanisches Korrektiv einer versagenden Politik – und auch Justiz. Ganz besonders zeigte sich das in der strittigen Vermögensfrage der ehemaligen Herrschaftshäuser des Kaiserreichs.

Mitte der 1920er Jahre geriet die Weimarer Demokratie durch eine schwer lastende „Hinterlassenschaft der Novemberrevolution“[21] einmal mehr in eine innenpolitische Bredouille, für die im Wesentlichen ihre Geburtshelfer verantwortlich zeichneten. Weder die provisorische Regierung des Rats der Volksbeauftragten, die von dem SPD-Vorsitzenden und späteren Staatsoberhaupt Friedrich Ebert geleitet wurde, noch die anschließend einberufene Nationalversammlung hatten 1918/19 die Gunst der politischen Umbruchsituation für eine langfristigen Bestand versprechende Regelung zu nutzen vermocht. Der Umgang mit den Besitztümern der Herrscherhäuser, die sich nicht immer von dem privaten Familienbesitz trennen ließen, erwies sich als hartnäckiges Problem. So verfügten in den Revolutionswirren die demokratisch gesinnten Landesregierungen per Gesetz, dass große Teile des Fürstenvermögens – Schlösser, Ländereien, Gemälde etc. – in Staatsbesitz übergehen sollten. Dennoch beließen die Regierungen den Fürstenhäusern immer noch stattliche Reichtümer. Allerdings waren die Gesetze zumeist in der unmittelbaren Übergangszeit von der konstitutionellen Monarchie zur Demokratie beschlossen worden, ihre Gültigkeit durch die anschließend verabschiedete Reichsverfassung jedoch nicht ausdrücklich bestätigt worden. Nach 1919 bestand daher eine veritable „Rechtsunsicherheit“, denn: „Keine Notverordnung oder Übergangsbestimmung regelte in der neuen Verfassung die Frage der Fürstenvermögen.“[22] Die Konfiskationen von 1918/19 ließen sich deswegen juristisch anfechten. Es stand nun im verfassungsrechtlichen Ermessen der Gerichte, die Enteignungen zu bestätigen oder für ungültig zu erklären. Die damit befassten Richter urteilten in den meisten Fällen zugunsten der ehemaligen Herrscherhäuser.[23] Infolgedessen drohten dem Staat schon bald hohe Summen an Entschädigungsgeldern. Gleichzeitig gelang es den Gegnern dieser Praxis nicht, den großen Freiraum der Gerichte mit Gesetzen einzuschränken. Die parlamentarische Arbeit in dieser Angelegenheit stagnierte. Selbst nach mehrmonatigem Beratschlagen fand das Parlament zu keiner gesetzlichen Lösung; lediglich das sogenannte „Sperrgesetz“ wurde beschlossen, welches sämtliche laufenden Gerichtsverfahren bis Ende Juni 1926 zur Pause zwang.[24]

In jenem Moment verschärfte sich die politische Situation. Die Interessen der Fürstenfamilien an einer angemessenen Entschädigung aus öffentlichen Mitteln standen in scharfem Kontrast zur sozialen Lage weiter Teile der Bevölkerung. Ein nicht geringer Teil der Bewohner von Großstädten litt unter arger Wohnungsnot und explodierender Arbeitslosigkeit. Zwischen November 1925 und Februar 1926 erhöhte sich z. B. die Zahl derjenigen, die vom Staat „Hauptunterstützung“ (vergleichbar mit einer Arbeitslosenhilfe) bezogen, von 360 000 auf zwei Millionen Menschen.[25] Selbst Haushalte mit Erwerbstätigen hatten in vielen Fällen nicht ausreichend Butter und Brot. Die Inflation hatte die Ersparnisse vieler Bürger aufgezehrt. Die Fürsten hingegen waren nach der Novemberrevolution nicht mittellos zurückgeblieben. Ein Beispiel: Die sächsischen Wettiner trafen im Juni 1924 mit der sozialdemokratisch geführten Landesregierung unter Max Heldt eine Übereinkunft, die ihnen Vermögenswerte in Höhe von 100 Millionen Reichsmark beließ, der abgedankte König Friedrich August III. war infolgedessen auch nach 1918 der reichste Sachse.[26] In Anbetracht dieser Situation waren nicht unwesentliche Teile der deutschen Bevölkerung für radikale Lösungen empfänglich – selbst jene, die nicht zu den üblichen Wählern linker Parteien gehörten.[27]

In der Bevölkerung erhoben sich somit keinesfalls überraschend vergleichsweise heftige öffentliche Proteste gegen eine Entschädigung der enteigneten Fürsten, denen allerdings nicht die parlamentarischen Abstimmungsverhältnisse im Reichstag entsprachen. Einzig die KPD brachte am 25. November 1925 einen Gesetzentwurf ein, der die entschädigungslose Enteignung vorsah, angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Reichstag freilich keinerlei Aussicht auf Erfolg besaß. Weil die Sozialdemokraten noch auf eine Regierungsbeteiligung hofften und zudem auf Abstand zu den Kommunisten bleiben wollten, herrschte im linken Lager obendrein Uneinigkeit – obwohl die Wählerbasis beider Parteien der KPD-Position zuzuneigen schien, wovon etliche spontane Protesteruptionen in einigen Städten des Reichs kündeten.[28]

Alle staatlichen Gewalten schienen folglich in dieser Sache zu versagen: die Judikative, die einseitige Urteile fällte; die Legislative, die kein Gesetz zuwege brachte; und die Exekutive, die Bereitschaft zeigte, den fürstlichen Forderungen nachzugeben. Hier tat sich nun eine breite Lücke für zivilgesellschaftliche Intervention auf: Eine stillstehende Arbeit der professionellen Politik, eine schwache parlamentarische Repräsentanz der vielzähligen Gegner einer Fürstenabfindung, eine als unzulänglich empfundene Rechtspraxis des Gerichtswesens sowie die potenzielle Einstellung vieler Bürger in dieser Frage boten im Herbst 1925 Anlass zur zivilgesellschaftlichen Aktion mit vielversprechenden Aussichten.

Der Kuczynski-Ausschuss

Kuczynski und seine Gesinnungsfreunde erkannten in dieser politischen Situation eine günstige Gelegenheit, in die Politik einzugreifen. Sie glaubten, die Mehrheit der Bürger für die entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser gewinnen zu können und strebten eine direktdemokratische Entscheidung via Volksentscheid an. Insbesondere Kuczynski wollte mit der Volksgesetzgebung Parlament und Regierung derart stark unter Druck setzen, dass diese nicht mehr um eine gesetzliche Enteignung umhin kommen würden. Dabei war ihm offenbar klar, dass selbst ein erfolgreicher Volksentscheid binnen kürzester Zeit vom Parlament mit einem Gegengesetz wieder konterkariert werden konnte. Aber es ging ihm wenigstens um ein unübersehbares Zeichen, das sogar „selbstherrliche parlamentarische Parteien“[29] nicht würden ignorieren können. Um den „neuen Ansturm der Monarchie in Deutschland“[30] abzuwehren, konstituierte sich am 26. Januar 1926 unter Kuczynskis Vorsitz ein „Ausschuß zur Durchführung des Volksentscheids für entschädigungslose Enteignung der Fürsten“. Ihm schlossen sich binnen kurzer Zeit etliche zivilgesellschaftliche Organisationen an, darunter Leonard Nelsons Internationaler Sozialistischer Kampf-Bund, der Republikanische Anwaltsbund, der Verein sozialistischer Ärzte, die Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner oder die Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands – anfangs zwölf, später insgesamt um die vierzig Organisationen.[31] Auch der kommunistische Medienexperte Willi Münzenberg, der „rote Hugenberg“, beteiligte sich. Seine Aufgabe sah der Ausschuss „in der Zusammenfassung und Verstärkung der Volksbewegung für entschädigungslose Enteignung der Fürsten über den Rahmen der von den politischen Parteien erfassten Bevölkerungsschichten hinaus“[32]. Das Ziel bestand darin, zunächst über ein Volksbegehren dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, im Falle dessen parlamentarischer Ablehnung anschließend einen Volksentscheid zu erwirken, mit dem ein Gesetz über die entschädigungslose Enteignung der ehemaligen Fürstenfamilien durchgesetzt werden sollte – folglich sollte die Abstimmung des Volkes „die Verfälschung des Volkswillens durch Regierung und Reichstag“ verhindern und „den Fürstenknechten das Handwerk“ legen.[33] Hierfür galt es, binnen kurzer Zeit genügend Stimmen zu mobilisieren, um jeweils die vorgeschriebenen Quoren zu erfüllen.

Kuczynski eignete sich in mehrfacher Weise für den Ausschuss-Vorsitz. Erstens hatte er bereits Erfahrungen mit politischen Interventionen gesammelt. 1912 hatte er als Vorsitzender dem „Propaganda-Ausschuß für Groß-Berlin“ angehört, der eine öffentliche Kampagne gegen die Wohnungsnot in der überfüllten Reichshauptstadt Berlin durchführte, in der er Politiker wie Karl Liebknecht mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Käthe Kollwitz oder Max Liebermann zusammenbrachte.[34] Als Publizist und Redner hatte er sich für die deutsch-französische Verständigung eingesetzt, die Aussöhnung zweier Länder, deren Einwohner jeweils starke Vorbehalte gegeneinander hegten.[35] In pazifistischer Mission war er, u. a. im Auftrag des Zentralkomitees der Internationalen Arbeiterhilfe und der Liga für Menschenrechte, durch Europa gereist.[36] 1924 bis 1932 zählte er zu den führenden Mitgliedern der Deutschen Liga für Menschenrechte und war in der politischen Intellektuellenszene Berlins vernetzt.[37] Zweitens besaß er die Fähigkeit zur populistischen Ansprache, die sich für den öffentlichen Umgang mit der Fürstenfrage besonders eignete. In Reden schimpfte Kuczynski 1926 über die „Junkerfrechheit“ der „davongelaufenen Fürsten“, die „unbekümmert um das Elend der Massen, an dem sie die Hauptschuld tragen, ihre gierigen Hände nach geraubtem ‚Besitz‘ ausstrecken“ würden.[38] Und drittens verfügte er als promovierter Wissenschaftler – als vormaliger Chef des Statistischen Amtes Berlin-Schöneberg und Herausgeber der Deutsch-Französischen Wirtschaftskorrespondenz sowie der Finanzpolitischen Korrespondenz, die sich in den Zeitungsredaktionen aufgrund ihrer Informationen zu aktuellen Finanzfragen einiger Beliebtheit erfreute – über Renommee, das jenseits des linken Lagers auch andere Gruppen ansprechen konnte.[39] Insbesondere korrespondierte seine berufliche Tätigkeit mit seiner politischen Arbeit – schien er doch als ausgewiesener Statistiker über die soziale Lage der deutschen Bevölkerung genauestens Bescheid zu wissen, insofern ein auf Sachverstand gründendes Urteil fällen zu können. Diese Eigenschaft verlieh ihm innerhalb der linken Intellektuellenschaft eine gewisse Bedeutung, da sich mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen politisch argumentieren und agitieren ließ. Tucholsky äußerte sich indessen despektierlich über seinen politischen Kompagnon: Ein „ähnlich größenwahnsinniger Fatzke“ sei ihm schon „lange nicht mehr begegnet“, Kuczynski schreibe Sätze, die „vielleicht sein dreiviertelpolnisches aber niemals unser Ohr erträgt“.[40]

Den Ausschuss leitete Kuczynski sehr entschlossen.[41] So setzte er zögerlichen Organisationen für deren Entscheidung zum Beitritt einen Stichtag und zögerte z. B. nicht, das Volksbegehren bei den Behörden auch ohne die SPD zu beantragen, nachdem diese zu lange mit ihrer Entscheidung gewartet hatte. Er berief Besprechungen ein und leitete Diskussionen; mit seinen Mitarbeitern – vor allem mit dem Schriftsteller Otto Lehmann-Russbüldt und dem Journalisten Emil Rabold – verrichtete er eine auffällig professionelle Organisationsarbeit: Sie setzten Komitees zu strittigen Fragen ein, erarbeiteten Richtlinien, redigierten Proklamationen und Appelle, organisierten Spendenaufrufe und administrierten hierfür eigene Konten, gaben Pressekonferenzen und verschickten regelmäßige Rundschreiben, in denen sie den Aktivisten Instruktionen erteilten und Mut zusprachen.[42] Kuczynski leistete Öffentlichkeitsarbeit, indem er bspw. Broschüren[43] herausgab, in denen renommierte Autoren die Forderungen des Ausschusses argumentativ untermauerten, und erweiterte die Antifürstenallianz, indem er weitere Unterstützerorganisationen akquirierte sowie öffentliche Veranstaltungen bestritt. Unter seiner Moderation einigten sich KPD und SPD im Januar 1926 sogar auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf.[44]

Robert René Kuczynskis Volksbegehren und Volksentscheid

Die Vorkommnisse rund um das Volksbegehren und den Volksentscheid beherrschten mehr als ein halbes Jahr lang das innenpolitische Geschehen, waren „das erstaunliche Phänomen des Herbstes 1925“[45], eine „große Streitfrage der ersten Hälfte des Jahres 1926“[46] und eine der bedeutsamsten politischen Kontroversen der Weimarer Republik. Die persönliche Betroffenheit der Reichsbevölkerung war in jedem Fall groß. Ähnlich extrem wie die beiden Alternativen – angemessene Entschädigung oder völlige Enteignung der Fürsten – waren auch die politischen Meinungen dazu: Die einen riefen zur Verteidigung der Republik auf, die anderen beschworen eine Staatskrise herauf. Die politische Stimmung war explosiv, die Propagandamaschinerie des rechten und linken Lagers lief auf Hochtouren. Aristokratisch gesinnte Zeitungen warnten ob des „bolschewistischen Begehrens“[47], rechte Parteien formierten sich gegen den „Beraubungsantrag“[48] und die konservative Presse witterte hinter der Aktion „die Macht Moskaus“[49], wohingegen der Kuczynski-Ausschuss zum Kampf gegen „Fürstenübermut und Fürstenhabsucht“ aufrief und forderte, die „Subventionierung der Mätressen“ ebenso wie den „Tanz der Fürsten ums goldene Kalb“ zu beenden.[50] In der Streitfrage spiegelte sich die „innere Zerrissenheit und die Zwietracht zwischen den großen gesellschaftlichen Gruppen“[51] der kurzen Weimarer Republikjahre. Mit der polemischen Parole: „Keinen Pfennig den Fürsten!“ fand die KPD den Slogan schlechthin für die politische Agitation zugunsten des Volksentscheids.

Die Rhetorik mochte seinerzeit zwar ausgesprochen polemisch anmuten. So fragte etwa Kurt Tucholsky in einem Gedicht in der proletarisch-satirischen Zeitschrift Der Knüppel: „Wollt ihr die Dummen sein?“, und forderte: »Fürsten raus –! / Es ist hohe Zeit! / Alle Mann auf Deck! / Zum Volksentscheid –!«“.[52] Doch jenseits solcher populistischen Äußerungen konnten die Befürworter einer entschädigungslosen Enteignung an das bürgerliche Rechtsempfinden appellieren, das in der staatlichen Entschädigung von Fürsten einen ungeheuerlichen, geradewegs skandalösen Vorgang erkennen ließ. Hatten sich die ehemaligen Aristokraten etwa nicht in den Tagen der Kriegsniederlage einfach davongestohlen, sich jedweder Verantwortung entzogen und führten „heute – von allem erdenklichen Luxus umgeben – ein sorgenfreies Leben“[53]?

Im März 1926 kamen die für ein erfolgreiches Volksbegehren nötigen Stimmen von vier Millionen Bürgern zusammen. Mit 12,5 Millionen Eintragungen bzw. einem Drittel aller Stimmberechtigten wurden sie sogar weit übertroffen. Offenkundig hatten sich auch Anhänger von Parteien und Ideologien überzeugen lassen, die den Unterstützern des Volksbegehrens zu anderen Anlässen wie etwa der Reichstagswahl ihre Stimme versagten.[54] Besonders in Städten und den elektoralen Hochburgen des Zentrums waren überdurchschnittlich viele Unterschriftensammlungen zustande gekommen. Einzig in den agrarischen Gebieten Ostelbiens und Bayerns blieb die Abstimmung deutlich hinter den sonst üblichen Ergebnissen von SPD und KPD zurück; dort hatten anscheinend Repressionen örtlicher Autoritäten das schlechte Abschneiden herbeigeführt. Im Kuczynski-Ausschuss und seinem Umfeld löste dieser Erfolg eine Euphorie aus. Die Initiatoren triumphierten über den „Volkssieg über Fürstenhabgier“[55] und Kuczynski selbst erklärte auf einer Versammlung, man habe „über den Reichstag gesiegt, weil dieser in der Abfindungsfrage versagt hat“[56]. Bereits zuvor hatte Rabold, der Geschäftsführer des Ausschusses, in dem Volksbegehren eine Chance gesehen, nun endlich den „raffsüchtigen Fürsten einen Generalmarsch zu blasen“, wozu die „Gesetzesschuster und Angstmeier verstaubter Parteistuben“,[57] zu denen in Anbetracht ihrer zaudernden Haltung zum Volksentscheid wohl auch die SPD gerechnet wurde, bislang nicht in der Lage gewesen seien. Die Anti-Parteien-Skepsis war nach wie vor groß. Bereits während der Vorbereitung des Volksbegehrens hatten sich die Initiatoren „an alle parteipolitisch neutralen Vereine und Verbände“, jedoch „ausdrücklich an keine einzige politische Partei“ gewandt.[58] Die Angelegenheit sollte denn auch „in jedem Falle unabhängig von den politischen Parteien, unverzüglich in die Hand genommen werden“[59], denn diese „sollens nicht wieder verpfuschen“[60]; die politischen Intellektuellen hatten offenkundig Angst, dass „die Enteignung durch unentschlossene Parteien und die Trägheit der Masse sabotiert wird“[61].

Bekanntlich scheiterte jedoch der Volksentscheid am 20. Juni 1926. Von rund vierzig Millionen Wahlberechtigten hatten ihm lediglich fast fünfzehn der erforderlichen zwanzig Millionen Stimmberechtigten ein positives Votum erteilt.[62] Über vierzehn Millionen Reichsbürger hatten mit „Ja“ gestimmt: „Also gibt es 14 Millionen Schweinehunde in Deutschland.“[63], wie der exilierte Kaiser aus seinem niederländischen Refugium verlautbaren ließ. Aber es waren immerhin ungefähr so viele Stimmen, wie sie Hindenburg ein Jahr zuvor bei seiner Wahl zum Reichspräsidenten im April 1925 erhalten hatte. Für das linke Berliner Intellektuellenmilieu war das nach der anfangs enthusiastischen Stimmung und dem augenscheinlichen Konsens mit großen Teilen der Bevölkerung dennoch eine Enttäuschung. Die Losungen seiner Angehörigen hatten zwar Zehntausende für Protestmärsche mobilisiert, hunderte Zuhörer in öffentlichen Zusammenkünften versammelt und auf Millionen von Flugblättern und Plakaten in ganz Deutschland geprangt. Auch war die direktdemokratische Initiative im Vergleich zu anderen Aktionen deutlich erfolgreicher gewesen und stand im Gegensatz zum häufigen Scheitern.[64] Denn oft genug hatte der Zuspruch der Wähler antirepublikanischen Parolen und Persönlichkeiten gegolten. Doch am Ende waren viele von ihnen auch hier wieder ernüchtert und verbittert ob der Wirkungslosigkeit ihrer politischen Anstrengungen.[65] Carl v. Ossietzky konstatierte im Januar 1927: „Heute haben die Hohenzollern ihr Geld, und Niemand spricht mehr davon. Typischer Verlauf einer Volksbewegung in Deutschland.“[66]

Robert René Kuczynski im Exil

Mit der Abstimmungsniederlage sowie der Abkehr von KPD und SPD endete im Herbst 1926 auch die Arbeit des Kuczynski-Ausschusses.[67] Nach einem Jahr zerbrach damit die Allianz gegen die Fürstenabfindung. Für Kuczynski besaß die Aktion unterschiedliche Konsequenzen. Einerseits verhalf sie ihm zu öffentlicher Beachtung und vermutlich auch Sympathie. So firmierte er noch zu Lebzeiten als der „Fürstenenteigner“ und „Sieger“ des Volksbegehrens,[68] stand er im Blickpunkt von Journalisten, die ihn als exzellenten „Kenner der deutschen Wirtschaft und der des Auslandes“ lobten.[69] Andererseits geriet er zum Objekt rechtsextremer Diffamierungen. Einschlägige Zeitungen stellten ihn als „der galizische Jude“[70] vor. Aber nicht nur das. Neben voraussehbaren Attacken aus dem politisch gegnerischen Lager kam es auch zu Angriffen von vormaligen Verbündeten. Sogleich nachdem der Volksentscheid durch sein formales Scheitern von der politischen Tagesordnung wieder verschwunden war, begann die SPD, Kuczynski öffentlich über ihr Parteiorgan Vorwärts zu diskreditieren. Kuczynski und sein Ausschuss seien „lediglich eine Attrappe“[71], ihnen könne man nur „gänzliche Bedeutungslosigkeit“ und einen „gegen Null“ tendierenden Einfluss attestieren. Die sozialdemokratische Presse überzog den „sagenhaften“ Ausschuss und seinen Namensgeber mit Häme.

Die darauffolgenden Jahre brachten für Kuczynski biografische Einschnitte. Als die Weimarer Republik in ihren letzten Atemzügen lag, trugen Plakate, die zum einheitlichen Kampf gegen die extreme Rechte aufriefen, auch Kuczynskis Unterschrift.[72] Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und politischen Vergangenheit wie auch Einstellung emigrierte er bereits im April 1933 – wie viele seiner Mitstreiter und Gesinnungsgenossen. Seine Familie wurde Opfer der nationalsozialistischen Repression, entzog sich einem womöglich tödlichen Schicksal jedoch durch Flucht ins Ausland. Da in der Kuczynski-Villa am Schlachtensee im Frühsommer 1933 Hausdurchsuchungen stattfanden, war der jüdische, KPD-nahe Statistiker akut gefährdet. Über die Tschechoslowakei und Schweiz entkam er nach England.[73] Seine Frau Bertha folgte mit den drei jüngsten ihrer sechs Kinder etwa ein Jahr später, nachdem sie das Haus notgedrungen verkauft hatte.

Im britischen Exil lebten die Kuczynskis deutlich eingeschränkt, in einer im Vergleich zu ihrer herrschaftlichen Villa engen Wohnung, herausgelöst aus ihrem kulturellen Milieu.[74] Kuczynski vertiefte sich derweil an der London School of Economics, an der er ab 1938 als Dozent für Demografie lehrte, in seine bevölkerungswissenschaftlichen Studien, vor allem recherchierte er im Kolonialamt.[75] Bereits seit 1931 publizierte er in englischer Sprache. Doch 1941 erreichte er mit 65 Jahren das Pensionsalter und war ohne Anstellung, ohne finanzielle Rücklagen.[76] Zeitweise war die Lage so drückend, dass er Teile seiner immens umfangreichen Bibliothek veräußerte. Nach dem Krieg bot ihm offenbar eine Berliner Universität einen Lehrstuhl an. Kuczynski plante zwar, die Professur anzutreten, wollte jedoch zunächst die Arbeit an einem wissenschaftlichen Großprojekt abschließen; er verstarb zwischenzeitlich an Krebs.[77] Posthum erschien zwischen 1948 und 1953 in der Oxford University Press sein dreibändiges, mehr als 2000 Seiten umfassendes Opus magnum „Demographic survey oft he British colonial empire“.

Auch sein Engagement in der Politik ging im Exil zurück. Nach dem gescheiterten Referendum in der Fürstenfrage hatte seine politische Aktivität bereits stark nachgelassen – zwischen 1926 und 1933 weilte er zwecks Forschungsaufenthalts pro Jahr jeweils sechs Monate in den USA (v. a. am Brookings Institute in Washington).[78] Außerdem stand er offenbar unter Beobachtung des britischen Staats. Angeblich hatte der britische Geheimdienst eine Akte über Robert René Kuczynski aufgrund dessen politischer Aktionen angelegt. Mehrere Vorkommnisse gaben dazu Anlass: 1927 hatte er gegen die Hinrichtung der italienischen Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA protestiert und war anschließend als Kopf einer deutschen Delegation nach Moskau gereist.[79] Tatsächlich knüpfte Kuczynski im Exil stellenweise an die Berliner Jahre an. Auf Anfrage von Kommunisten übernahm er im Herbst 1943 den Vorsitz in einem Initiativausschuss, aus dem die Freie Deutsche Bewegung in Großbritannien hervorging, an deren Präsidiumsspitze er schon bald darauf stand.[80] Damit versuchte er sich nach 1926 ein weiteres Mal als Manager einer Einheitsfront von Kommunisten und Sozialdemokraten unter Beteiligung bürgerlicher Kräfte – diesmal gegen das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler. Wie damals 1926 sollte auch 1943 ein Aufruf entstehen, nunmehr an „Deutsche in Armee und Heimat“ gerichtet. Aber auch manche Probleme und Enttäuschungen wiederholten sich freilich: Beispielsweise verweigerte der sozialdemokratische Exilvorstand seine Teilnahme, woraufhin die SPD von kommunistischer Seite als „Agentin des Hitlerismus im Ausland“[81] verunglimpft wurde.

Kuczynski zählt vermutlich nicht zu den schillerndsten Figuren der Weimarer Republik. Und er trat auch nicht beständig als führender Kopf des linken Lagers auf. Doch dürfte seine Bedeutung in der deutschen Geschichtsschreibung noch immer hinter seiner zeitgenössischen zurückstehen. Jedenfalls bemühte sich sein Sohn Jürgen Kuczynski um posthumen Ruhm für den im November 1947 in London verstorbenen Vater. Freilich tat er dies im vorgeblichen „Arbeiter- und Bauernstaat“, der DDR. Gerade unter Zuhilfenahme der besonderen Bedingungen des Einparteienregimes der SED versuchte er, seinem Vater die seiner Ansicht nach gebührende Anerkennung zu verschaffen, indem er ihn als sukzessive zum Kämpfer für die sozialistische Sache gereiften Helden der Arbeiterbewegung inszenierte. Dessen Leben sei in der Gesamtheit „eine Parteinahme für die Ausgebeuteten und Unterdrückten – gegen die herrschende Klasse der Imperialisten, der Monopolkapitalisten“[82] gewesen. Am deutlichsten hätte man dies im Zusammenhang mit der Fürstenenteignung beobachten können. Die 1957 im Berliner Aufbau-Verlag erschienene Biografie „René Kuczynski. Ein fortschrittlicher Wissenschaftler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ ist ein Versuch des prominenten und einflussreichen Ökonomen Jürgen Kuczynski, öffentlich die politischen Taten seines Vaters als heldenhafte Zivilcourage zu deuten und zu dokumentieren.

Heute hingegen erinnert kaum noch etwas an Robert René Kuczynski. Die „Internationale Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen“ vergibt den 1976 von Jürgen und Marguerite Kuczynski gestifteten „René-Kuczynski-Preis“ für Wirtschaftsgeschichte.[83] Nur vereinzelt ist Robert René Kuczynski als bedeutende Persönlichkeit vermerkt, etwa als „der international wohl am meisten anerkannte deutsche Bevölkerungswissenschaftler des 20. Jahrhunderts“[84] oder „one of the most established scholars and public intellectuals of the first half of the twentieth century“[85]. Ansonsten steht der Vater im Schatten des Sohnes, der als Souffleur Erich Honeckers galt und dessen Publikationsliste sich angeblich auf 40 000 Schriften beläuft. Mediales Aufsehen erregte der Name Kuczynski zuletzt im Zusammenhang mit der einige Generationen alten, rund 1,5 laufende Kilometer umfassenden Privatbibliothek, die mehrere Kriege und Emigrationen überstanden hatte und kürzlich von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin erworben wurde.[86] Robert René Kuczynskis Biografie ist jedoch aufschlussreich. An ihr lassen sich die große Nähe von Weimarer Intellektuellen zum politischen Tagesgeschehen und deren politisches Engagement nachvollziehen; auch zeigt sie den lebensweltlichen Bruch durch das NS-Regime und die beschwerliche Exil-Zeit sowie das immer wieder vergebliche Bemühen, eine politische Aktionseinheit im gespaltenen linken Lager herzustellen.

Dieser Text erschien zuerst in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (Bd. 61, H. 6/2013, S. 505–521).

[1] Zur Biografie siehe Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Hrsg.), Einblick in einen Nachlass – die Kuczynskis, Berlin 2008, S. 2–5.

[2] Vgl. Jürgen Kuczynski, Memoiren. Die Erziehung des J. K. zum Kommunisten und Wissenschaftler, Berlin/Weimar 1973, S. 15; Hans H. Lembke, Die Schwarzen Schafe bei den Gradenwitz und Kuczynski. Zwei Berliner Familien im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin 2008, S. 70.

[3] Vgl. Peter Gay, Die Republik der Außenseiter. Geist und Kultur in der Weimarer Zeit: 1918–1933, Frankfurt am Main 1970, S. 169 u. S. 173; Golo Mann, Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1958, S. 684.

[4] Siehe u. a. Robert René Kuczynski, Der Zug nach der Stadt. Statistische Studien über Vorgänge der Bevölkerungsbewegung im Deutschen Reiche, Stuttgart 1897; ders., Die Entwicklung der gewerblichen Löhne seit der Begründung des Deutschen Reichs, Berlin 1909; ders., Arbeitslohn und Arbeitszeit in Europa und Amerika. 1870–1909, Berlin 1913; ders., Das Wohnungswesen und die Gemeinden in Preußen, Breslau 1916; ders., Das Existenzminimum und verwandte Fragen, Berlin 1921; vgl. Ralph-Jürgen Lischke/Harald Michel, Zur Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft im deutschsprachigen Raum, in: Harald Michel (Hrsg.), Biographisches Lexikon zur Geschichte der Demographie, Berlin 2009, S. 5–32, hier S. 21 u. S. 25 f.

[5] Vgl. beispielhaft Alexander Gallus, Erbe der „Weltbühne“. Kurt Hillers politisch-publizistisches Engagement nach 1945, in: Franz-Werner Kersting/Jürgen Reulecke/Hans-Ulrich Thamer (Hrsg.), Die zweite Gründung der Bundesrepublik. Generationswechsel und intellektuelle Wortergreifungen 1955–1975, Stuttgart 2010, S. 201–221.

[6] Zu antirepublikanischen Morden und Gewaltakten vgl. Franz Josef Lersch, Politische Gewalt, politische Justiz und Pazifismus in der Weimarer Republik. Der Beitrag E. J. Gumbels für die deutsche Friedensbewegung, in: Karl Holl/Wolfram Wette (Hrsg.), Pazifismus in der Weimarer Republik. Beiträge zur historischen Friedensforschung, Paderborn 1981, S. 113–134, hier S. 120–127.

[7] Tucholsky zitiert nach Helga Bemmann, Kurt Tucholsky. Ein Lebensbild, Berlin 1990, S. 352.

[8] Tucholsky zitiert nach ebenda, S. 237.

[9] Helene Stöcker zitiert nach Petra Rantzsch, Helene Stöcker (1869–1943). Zwischen Pazifismus und Revolution, Berlin 1984, S. 120.

[10] Tucholsky zitiert nach Bemman, Kurt Tucholsky, S. 238.

[11] Siehe Werner Fritsch, Deutsche Liga für Menschenrechte (DLfM) 1922–1933, in: Dieter Fricke et al. (Hrsg.), Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789–1945), Bd. 1, Alldeutscher Verband – Deutsche Liga für Menschenrechte, Leipzig 1983, S. 749–759, hier S. 752 ff.

[12] Vgl. z. B. Rüdiger Heimlich, Das andere Deutschland Kurt Tucholskys, in: Dietrich Harth/Dietrich Schubert/Ronald Michael Schmidt (Hrsg.), Pazifismus zwischen den Weltkriegen. Deutsche Schriftsteller und Künstler gegen Krieg und Militarismus 1918–1933, Heidelberg 1985, S. 79–90.

[13] George Grosz und John Heartfield zitiert nach Heinrich August Winkler, Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1924 bis 1930, Berlin/Bonn 1988, S. 701.

[14] Claudius Torp, Konsum und Politik in der Weimarer Republik, Göttingen 2011, S. 200.

[15] Vgl. Kuczynski, Memoiren, S. 99 u. S. 188.

[16] Vgl. Robert Scholz, Lohn und Beschäftigung als Indikatoren für die soziale Lage der Arbeiterschaft in der Inflation, in: Gerald D. Feldman et al. (Hrsg.), Die Anpassung an die Inflation, Berlin 1986, S. 278–322, hier S. 304.

[17] Kurt Hiller, Leben gegen die Zeit [Logos], Reinbek bei Hamburg 1969, S. 146.

[18] Gallus, Erbe der „Weltbühne“, S. 203.

[19] Vgl. Gordon A. Craig, Deutsche Geschichte 1866–1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches, München 1999, S. 518 f.

[20] Hagen Schulze, Vom Scheitern einer Republik, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.), Die Weimarer Republik 1918–1933. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Bonn 1988, S. 617–625, hier S. 623.

[21] Otmar Jung, Direkte Demokratie in der Weimarer Republik. Die Fälle „Aufwertung“, „Fürstenenteignung“, „Panzerkreuzerverbot“ und „Youngplan“, Frankfurt am Main/New York 1989, S. 49.

[22] Holger Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“. Der Volksentscheid zur Fürstenenteignung 1926, in: Hannoversche Geschichtsblätter, 45 (1991), S. 87–144, hier S. 89.

[23] Vgl. dazu Rainer Stentzel, Zum Verhältnis von Recht und Politik in der Weimarer Republik. Der Streit um die sogenannte Fürstenenteignung, in: Der Staat, 39 (2000) 2, S. 275–297, hier S. 283–291.

[24] Vgl. Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 104 f.

[25] Vgl. ebenda, S. 96 f.; Otmar Jung, Volksgesetzgebung. Die „Weimarer Erfahrungen“ aus dem Fall der Vermögensauseinandersetzungen zwischen Freistaaten und ehemaligen Fürsten, Teil II, Hamburg 1996, S. 671.

[26] Vgl. Siegfried Pfeiffer, „Keinen Pfennig den Fürsten!“. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse im Kampf für die entschädigungslose Enteignung der deutschen Fürsten 1925/1926 in Dresden, in: Jahrbuch zur Geschichte Dresdens, 1986, S. 39–46, hier S. 39 f.

[27] Vgl. Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 97.

[28] Vgl. ebenda, S. 102.

[29] Hier und folgend Artur Kürschner (Interview mit Robert Kuczynski), Beim Fürstenenteigner, in: Neues Wiener Journal, 4. 4. 1926. „Druck auf den Reichstag!“, lautete die Devise; Rundschreiben Nr. 5 des Reichsausschuß für Fürstenenteignung vom 18. 3. 1926, in: Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), NL Kuczynski, Kuc8–7–91.

[30] Siehe Einladungsschreiben vom 14. 12. 1925, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–2.

[31] Eine Auflistung der angehörigen Organisationen findet sich in: Jürgen Kuczynski, René Kuczynski. Ein fortschrittlicher Wissenschaftler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1957, S. 159 f.; vgl. auch Jung, Volksgesetzgebung, S. 717.

[32] Zitiert nach Jung, Volksgesetzgebung, Fußnote 47/S. 724.

[33] Pamphlet „Stärkt den Kampffonds! Rechnet ab!“, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc 8–7–100–a.

[34] Siehe dazu Kuczynski, René Kuczynski, S. 37–43.

[35] Vgl. dazu Otto Lehmann-Russbüldt, Der Kampf der Deutschen Liga für Menschenrechte für den Weltfrieden 1914–1927, Berlin 1927, S. 101 ff.; Friedrich-Karl Scheer, Die Deutsche Friedensgesellschaft (1892–1933). Organisation, Ideologie, politische Ziele. Ein Beitrag zur Geschichte des Pazifismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1981, Fußnote 3/S. 461; siehe auch das Buch von Robert René Kuczynski, Wenn Friedensfreunde reden. Vorträge in Frankreich, Berlin 1924.

[36] Vgl. Harry Graf Kessler, Das Tagebuch. Achter Band 1923–1926, Stuttgart 2009, S. 414, S. 429; Kuczynski, René Kuczynski, S. 74.

[37] Vgl. Fritsch, Deutsche Liga für Menschenrechte, S. 749; Kuczynski, René Kuczynski, S. 115.

[38] Zitiert nach Kuczynski, René Kuczynski, S. 99.

[39] Vgl. Jung, Volksgesetzgebung, S. 675; Kessler, Tagebuch, S. 73; Kuczynski, René Kuczynski, S. 62 f.

[40] Brief Tucholsky an Jacobsohn vom 3. 11. 1925, in: Siegfried Jacobsohn, Briefe an Kurt Tucholsky. 1915–1926. „Der beste Brotherr dem schlechtesten Mitarbeiter“ (hrsg. von Richard v. Soldenhoff), München/Hamburg 1989, S. 333 u. Brief Tucholsky an Jacobsohn vom 10. 11. 1925, in: ebenda, S. 334.

[41] Siehe hierzu Heinz Habedank, Der Feind steht rechts. Bürgerliche Linke im Kampf gegen den deutschen Militarismus (1925–1933), Berlin 1965, S. 32; Jung, Volksgesetzgebung, S. 679, S. 687 ff., S. 941–946 u. S. 695 f.; Protokoll der Ausschusssitzung vom 6. 1. 1926, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–6, S. 3.

[42] Siehe hierfür Protokoll der Ausschusssitzung vom 6. 1. 1926, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–6; Protokoll der Sitzung des Ausschusses vom 2. 2. 1926, in: ebenda, Kuc8–7–22; Einladungsschreiben des Reichsausschuss für Fürstenenteignung vom 25. 2. 1926, in: ebenda, Kuc8–7–35; Rundschreiben Nr. 6 des Reichsausschuß für Fürstenenteignung vom 18. 3. 1926, in: ebenda, Kuc8–7–91; Aufruf, in: ebenda, Kuc8–7–72; Reichsausschuß für Fürstenenteignung (Hrsg.): Richtlinien für die Tätigkeit der Ortsausschüsse für Fürstenenteignung, in: ebenda, Kuc8–7–77.

[43] Siehe u. a. Arnold Freymuth, Fürstenenteignung – Volksrecht!, Berlin 1926; Heinrich Grasshoff, Fünf Jahrhunderte Fürstenraub. Deutsche Fürsten im Spiegel der Geschichte, Berlin 1926.

[44] Vgl. Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 103 f.; Vermerk vom 25. 1. 1926, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–19.

[45] Jung, Direkte Demokratie, S. 53; vgl. Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 87; Karl Heinrich Kaufhold, Fürstenabfindung oder Fürstenenteignung? Der Kampf um das Hausvermögen der ehemals regierenden Fürstenhäuser im Jahre 1926 und die Innenpolitik der Weimarer Republik, in: Günther Schulz/Markus A. Denzel (Hrsg.), Deutscher Adel im 19. und 20. Jahrhundert. Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte 2002 und 2003, St. Katharinen 2004, S. 261–285, hier S. 274 f.; Stentzel, Zum Verhältnis von Recht und Politik, S. 276.

[46] Heinrich August Winkler, Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie, München 1993, S. 312.

[47] Zitiert nach Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 112.

[48] Zitiert nach ebenda, S. 129.

[49] O. V., Die Große Linke, in: Gewissen, 05.04.1926.

[50] Siehe Kaufhold, Fürstenabfindung oder Fürstenenteignung?, Fußnote 8/S. 265.

[51] Ebenda, S. 269.

[52] Zitiert nach Bemmann, Kurt Tucholsky, S. 354.

[53] Kuczynski zitiert nach Kuczynski, René Kuczynski, S. 99.

[54] Vgl. Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 120.

[55] Emil Rabold in der Weltbühne zitiert nach ebenda, S. 119.

[56] O. V., Was nun? – Der Volksentscheid!, in: Berliner Volks-Zeitung, 30. 3. 1926.

[57] Zitiert nach Ulrich Schüren, Der Volksentscheid zur Fürstenenteignung 1926. Die Vermögensauseinandersetzung mit den depossedierten Landesherren als Problem der deutschen Innenpolitik unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Preußen, Düsseldorf 1978, S. 97.

[58] Zirkularschreiben vom 21. 12. 1925, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–4–a.

[59] Siehe Zirkularschreiben vom 21. 12. 1925, in: ZLB, NL Kuczynski, Kuc8–7–4.

[60] Zitiert nach Habedank, Der Feind steht rechts, S. 37.

[61] Kürschner, Beim Fürstenenteigner.

[62] Vgl. Hagen Schulze, Weimar. Deutschland 1917–1933, Berlin 1982, S. 301 f.

[63] Zitiert nach Horstmann, „Keinen Pfennig den Fürsten!“, S. 141

[64] Vgl. z. B. Rantzsch, Helene Stöcker, S. 117 f. u. S. 134.

[65] Vgl. etwa Rosa Neugebauer, George Grosz und sein Verhältnis zu Militarismus und Krieg, in: Dietrich Harth/Dietrich Schubert/Ronald Michael Schmidt (Hrsg.), Pazifismus zwischen den Weltkriegen. Deutsche Schriftsteller und Künstler gegen Krieg und Militarismus 1918–1933, Heidelberg 1985, S. 147–162, S. 159.

[66] Zitiert nach Jung, Volksgesetzgebung, S. 1048.

[67] Vgl. ebenda, S. 1041–1047.

[68] Siehe Kürschner, Beim Fürstenenteigner.

[69] Siehe o. V., Ein Vorkämpfer für die entschädigungslose Fürstenabfindung: Dr. R. Kuczynski, in: Letzte Politik, 5 (1926) 3, S. 1.

[70] Zitiert nach Jung, Volksgesetzgebung, S. 716.

[71] Hier und im Folgenden zitiert nach ebenda, S. 1035.

[72] Vgl. Kuczynski, René Kuczynski, S. 120.

[73] Vgl. dazu Ruth Werner, Sonjas Rapport, Berlin 1977, S. 120; Agnieszka Brockmann, Der Kuczynski-Nachlass in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Berlin 2011, Fußnote 40/S. 23.

[74] Siehe Werner, Sonjas Rapport, S. 185.

[75] Siehe Kuczynski, René Kuczynski, S. 127; vgl. Bernhard vom Brocke, Bevölkerungswissenschaft – Quo vadis? Möglichkeiten und Probleme einer Geschichte der Bevölkerungswissenschaft in Deutschland, Opladen 1998, S. 104 f.

[76] Vgl. Werner, Sonjas Rapport, S. 290.

[77] Vgl. ebenda, S. 326; Thomas Kuczynski, Radikaler Demokrat und großer Demograph, in: Junge Welt, 11./12. 8. 2001.

[78] Vgl. Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Hrsg.), Einblick in einen Nachlass, S. 4.

[79] Siehe David Burke, The Spy Who Came From Co-op. Melita Norwood and the Ending of Cold War Espionage, Woodbridge 2008, S. 73.

[80] Vgl. dazu Kuczynski, René Kuczynski, S. 134–150; Franz Menges, Kuczynski, Robert René, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 164–165; Werner Röder, Die deutschen sozialistischen Exilgruppen in Großbritannien. Ein Beitrag zur Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, Hannover 1969, S. 207 f.

[81] Zitiert nach Röder, Die deutschen sozialistischen Exilgruppen, S. 214.

[82] Kuczynski, René Kuczynski, S. 84.

[83] Siehe http://www.ith.or.at/ith/kuczynski_index.htm [eingesehen am 17. 2. 2012]; vgl. auch Wolfram Fischer/Frank Zschaler, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, in: Jürgen Kocka/Renate Mayntz (Hrsg.), Wissenschaft und Wiedervereinigung. Disziplinen im Umbruch, Berlin 1998, S. 361–434, hier S. 424–434.

[84] Bernhard vom Brocke, Bevölkerungswissenschaft im nationalsozialistischen Deutschland, in: Minerva Institut für deutsche Geschichte (Hrsg.), Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 2007, Göttingen 2007, S. 145–163, hier S. 159.

[85] Axel Fair-Schulz, Jürgen Kuczynski: A German-Jewish Marxist Scholar in Exile, in: ders./Mario Kessler (Hrsg.), German Scholars in Exile. New Studies in Intellectual History, Lanham (Maryland) 2011, S. 137–157, hier S. 139.

[86] Siehe bspw. o. V., Schatztruhe der DDR, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. 7. 2002; o. V., Sechs Generationen, in: Die Welt, 13. 7. 2002; Jürgen Kuczynski, Sechs Generationen auf Bücherjagd. Zur Geschichte meiner Bibliothek, Berlin 1958.